Kita Zachäus-Kids schließt nach 53 Jahren

Nachricht Zachäuskirche, 31. Juli 2026

Schließung der Kita Zachäus-Kids

Über Jahrzehnte hinweg war die Kita neben der Zachäuskirche im Wernigeroder Weg 21 ein Ort, in dem Kinder nicht nur betreut, sondern in ihrer Entwicklung wahrgenommen, gefördert und begleitet wurden. Hier wurde gespielt, miteinander das Leben entdeckt, gefeiert und es wurden wichtige Schritte ins Leben gewagt.

Seit vielen Jahren ist das Gebäude auf dem Kirchengelände ein großes Problem. Die Gruppenräume sind zu klein, ein hoher Sanierungsbedarf ist festgestellt. Es klemmt an allen Ecken und Enden. Das größte Problem ist die Tatsache, dass auch eine Sanierung des Gebäudes keinen zukunftsfähigen Zustand herstellen würde. Nach vielen Diskussionen und Überlegungen hat der Kirchenkreis deshalb beschlossen, die Kita Zachäus Kids zum 31.7.2026 zu schließen. Für das Personal wurden andere Beschäftigungsmöglichkeiten gefunden und die wenigen noch betreuten Kinder verlassen die Kita als Schulkinder oder werden in anderen Kitas weiter betreut.

Die Kirchengemeinde steht nun vor der schwierigen Aufgabe zu überlegen, wie es mit dem Gebäude und dem gesamten Gelände weitergeht. Hierzu werden intensive Gespräche – auch mit dem Kirchenkreis – geführt.

Unser Dank gilt allen, die mit viel Liebe, Engagement und Nähe zu Kindern und Eltern die Arbeit in der Kita über eine so lange Zeit geprägt haben.

Karl Ludwig Schmidt, Superintendent im Amtsbereich Nord-West

Nach 53 Jahren schließt die KiTa Zachäuskids ihre Türen

Wie froh war man, als die alte Kindergartenbaracke im Jahr 1973 durch einen Neubau ersetzt wurde. Die neuen Räume wurden sogleich von den Kindern in Beschlag genommen, so erzählt man. Die Nähe zur Kirche und die enge Zusammenarbeit mit der Gemeinde machte so manch gemeinsame Aktion mit und für die Kinder und Familien möglich, gerade auch im religionspädagogischen Bereich. Ebenso wurde stets, zum Wohle des Kindes, nach den neuesten Erkenntnissen der Elementarpädagogik gearbeitet und so war diese Kita auch eine der ersten in Hannover, die schon seit 1988 nach dem „offenen Konzept“ arbeitete.

Nun wird diese Kita leider zum Ende des Kindergartenjahres 2025/26 geschlossen. Als Gemeinde bedanken wir uns bei allen, die hier mit viel Liebe und Herzblut hervorragende pädagogische Arbeit nicht nur für die Kinder und Familien unseres Stadtteils geleistet haben.
Als Gemeinde wird diese Kita uns fehlen.

Wie alles begann und wie offen kann man sein- um für nicht ganz dicht gehalten zu werden?

Spaß beiseite.

Wie fing alles an mit der offenen Arbeit in der Kita Zachäus im Wernigeroder Weg 21 ?

Naja, nach fast 38 Jahren fallen mir die wesentlichen Aspekte sofort wieder ein. Denn dieses Konzept hat mich bis in meinen Ruhestand begleitet.

Die allerwichtigste Frage und Grundlage für jedes pädagogische Konzept ist:

Was brauchen die Kinder?

1988 forderten sie mehr Platz für ihr Spiel. Sie forderten es regelrecht ein.

Beispiel: Montagmorgen. Die Müllabfuhrt fährt vor und entsorgt den wöchentlichen Müll.

Am Fenster kleben vier kleine Nasen und gucken zu.

So! Das können wir auch; und schon beginnt das Spiel.

Aber es fehlt der Platz für den großen Müllwagen. Der Gruppenraum ist einfach zu klein.

Ausweichen auf den Flur?

Müllentsorgung in den anderen Gruppenräumen – wäre auch wichtig.

Nicht zu vergessen die Küche, das Büro, der Bewegungsraum.

Tja, was nun, liebe Erzieherinnen. Denkt euch mal was aus.

Haben wir.

Mit viel Unterstützung, Austausch, themenbezogenen Fortbildungen und in Arbeitskreisen.

Es war ein überaus lebendiger Prozess. Spielflächen wurden erweitert, Türen geöffnet und es wurde regelmäßig reflektiert.

Alle fanden nach relativ kurzer Zeit ihren Platz. Rollenspiel, bauen und toben, schneiden, kleben malen… für Alles gab es mehr Platz.

Die Herausforderungen für die Erzieherinnen waren nicht zu unterschätzen. Es gab nun nicht mehr „meinen“ Gruppenraum. Die Verantwortung verteilte sich auf alle Kinder. Zuständigkeiten wurden entdeckt. Fähigkeiten neu gefunden.

Hospitationen anderer Kolleg*innen bereicherte unsere Reflexion und Weiterentwicklung.

Wir waren auch ganz schön stolz, am meisten auf die Kinder. Sie entwickelten so viele gute Ideen und wurden selbständiger denn je.

Es gab natürlich auch Bedenken. Immer nur bauen und toben, immer nur auf dem Außengelände klettern… Eltern äußerten Kritik.

Mit guten Dokumentationshilfen (bitte nicht an die aktuelle Bürokratiedebatte denken!) sprich einem persönlichen Portfolio für jedes Kind, gelang eine transparente und wichtige Entwicklungsbeschreibung. Dies beruhigte Eltern im Laufe der Zeit und sie standen hinter dem Konzept.

Denn welche Mutter und welchen Vater bewegt nicht ständig die Frage: „Was braucht mein Kind?“

Das Konzept der offenen Arbeit war für mich der Weg und auch der rote Faden durch meine sozialpädagogische Laufbahn. Ich bin dankbar, dass wir damals diesen Weg gegangen sind.

Alle konnten in großer Vielfalt, mit viel Kreativität, Spaß und Freude lernen. Die Chance zu einer sozial kompetenten Persönlichkeiten zu werden war jedem Kind gegeben.

Sie bekamen, was sie brauchten.

Doris Engels